So 22 Nov 2009
Ein Wochenende in Berlin
Posted by NargilemPoker under Allgemein, Tagebuch aus Berlin
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Wenn am Freitag ab drei jeder seins macht und zu Besuch in der Stadt ist, möchte der Berlinbesucher die vielfältigen Attraktionen und Veranstaltungen besuchen.
Es bietet sich einfach an… das Nachtleben. Das schöne Wetter am Sonnabend und dann der gemütliche Ausklang am Sonntag beim gemütlichen Essen.
Und es wäre tatsächlich alles so einfach wenn es denn nicht an Wille und Leistung fehlen würde. Wille eben Dienstleistung zu erbringen, wenn diese denn überhaupt vorhanden ist.
Das ganze beginnt mit dem geselligen Abschalten wollen im Cafe oder der Bar nebenan. Bevor man aber eben zu diesen Abschalten kommen kann, darf man sage und schreibe 40 Minuten warten bis sich irgendwann die Bedienung erbarmt sich nach dem Anlass des Besuchs zu erkundigen : “Wollen Sie nur trinken oder auch Essen ?”, besser hätte ein Dienstleistungsmuffel die Frage nicht stellen können. Warum nicht gleich… “Hoffentlich bestellen Sie nur was zu trinken. Essen könn’ sie auch zu Hause.”
Jedenfalls… ich will dann doch nur was trinken.
Danach soll es in den Club gehen. Das ich dabei tatsächlich gehen darf, wäre mir nicht in den Kopf gekommen. Aber der Bus hat ne Panne…
Im Club angekommen, wird getanzt. Bis Punkt 1 Uhr. Die Anlage fällt aus… sauber.
Stink wütend geht es nach Hause.
Eigentlich geht man nicht nach Hause sondern begibt sich auf die Suche nach einem Taxi.
Da ich nur noch begrenzt Geldmittel zur Verfügung habe, benötige ich ein Bargeldlostaxi. Ich will zahlen mit EC-Karte…
Aber Pusteblume… der eine hat kein EC-Gerät, der andere sagt: “Nur über 20€…” und der nächste… : "Nur Bares ist wahres…” Herr Gott. Wo ist die Dienstleistungsgesellschaft ? Gerade im Diensturlaub ?
Endlich findet sich ein Taxi, welches EC-Zahlung möglichen machen soll.
An der Haustür reiche ich ihn die Karte… dann die Zweite und als Krönung noch die Dritte.
Nichts. Keine Regung und keine Zahlung.
Schön. Der Taxifahrer bietet mir an mich zur nächsten Bank fahren zu können, das würde aber Extra kosten… Sag mal spinn ich ?
Tatsächlich bin ich zu angetrunken um mich dieser Frechheit entgegenzusetzen. Ich einige mich mit Ihm, von 11 € auf 15 € Fahrpreis.
Sonnabend: Ich möchte ins Grüne fahren. Problem ist, dass irgendwie die S-Bahn da nicht hin will. Oder mir zumindest solch Hindernisse baut, dass mir die Freude an meinem Vorhaben kräftig gedämpft wird.
In Wuhletal (ein Bahnhof wo die Linie S5 und U5 sich treffen, für die BerlinerInnen) soll ich dann aus der U-Bahn in die S-(chlaf) Bahn umsteigen um an mein Ziel zu gelangen. Doch denkste… Endstation.
15 Minuten warten und stehen. Mit immerhin weiteren 30 Personen. Plötzlich bemerke ich wie am gegenüberliegenden Gleis immer wieder eine U-Bahn einfährt und dahinter eine S-Bahn den Bahnhof verlässt. Immer schön synchron. TOLL.
Nun ist die Stimmung am Siedepunkt. Keine Durchsage. Keine Information. Kein Personal.
Freunde der Sonne, aber so kann das nicht gehen.
Schnell durch den Bahnhof gerannt, der nebenbei bemerkt extrem nach Urin duftet und ab in die nächste Bahn. Der Zugführer kommt vorbei und wird mehr oder weniger sanft von den anderen Reisenden auf diesen Vorfall hingewiesen. Was folgt ist ein Schulterzucken mit der passenden Antwort:
“Bin ich hier die Ansage-Dame ?” – Stille.
Sonntag.
Ein am Ende glückliches Wochenende geht zu ende. Ich will mich bei einem wirklich gemütlichen Abendessen auf die kommende Woche einstellen und gehe zum um die Ecke liegenden Restaurant, um gegen die verschlossene Tür zu rennen.
Sonntag – Ruhetag. Bitte ? Klar… ab September Ruhetag am Sonntag und Montag.
Frustriert und um den eigenen Verstand fürchtend geht es nach Hause. Heulen.Trauern.
Was ist in dieser Zeit los ? Haben es die Geschäftsleute, die Firmen und die vielen anderen Dienstleister nicht mehr nötig ihren Kunden, Ihren kleinen Königen ein kleines Königsreich zu schaffen? Geht es den Leuten gerade in dieser Zeit so gut, das sie auf die Gunst des Kunden verzichten können?
Wohl kaum…
Dennoch sehen wir beinahe täglich Einbrüche im Bereich der Dienstleistung.
In der Kaufhalle gibt es die SB Kassen (real). Das Buffet gehört auch in den Hotels zum Alltag (diverse). Fotos dürfen selbst entwickelt werden (Medimax). Fahrkarten am Automaten selbst kaufen (DB). Bankgeschäfte selbst abwickeln müssen (verschiedene). Bürgerauskünfte von den Ämtern (Finanzamt).
Egal worum es geht. Der liebe Kunde darf muss selber ran. Und dabei ist es vollkommen egal ob man die Technik oder die Vorgehensweise versteht. Hauptsache das Unternehmen hat Kosten gespart und muss sich nicht mehr mit der lästigen Kundschaft abmühen.
Hauptanliegen bei dieser Art von Kundenbehandlung ist der Kostenfaktor. Der wird einfach nahezu auf Null gefahren wenn du und ich unser Ticket selbst drucken müssen.
Und am Ende kann das Unternehmen sogar Fehlverhalten beim Kunden reklamieren.
“Lieber Kunde, Sie haben da bei der Selbstauskunft und dem Drucken des Tickets Fehler begangen, welche das Ticket als Ganzes ungültig machen. Selbstverständlich kann Ihnen eine Erstattung nicht genehmigt werden, da sie ja die Fahrt für den gewählten Bereich dennoch aufnehmen können.”
- Danke.
Ein Königreich für den Kunden. Aber was hilft es wenn der “Dienstleister” der Kaiser ist ? Eben nichts… Ich darf dankbar sein, das ich unter der Gnade des Kaisers meinen Tribut zollen darf. In Form von Kreditkartenzahlungen und Bargeld.
Das geschilderte Wochenende ist tatsächlich auf ähnliche Art und Weise geschehen. Lediglich der Zeitpunkt und die Abfolge sind etwas variabel.
……
Ich habe immer noch Hunger. Ich bestell mir also eine Pizza… da findet im diesen Sinne noch Dienstleistung statt. Direkt bis zur Haustür. Innerhalb von 30 Minuten.
………… 70 Minuten später klingelt es an der Haustür.

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